Auf der Suche nach dem Wunderlauch im Tegeler Forst

Die Anreise

An diesem Montag traf ich mich mit meinem Wanderfreund Ralph gegen 14 Uhr zu einer netten kleinen Wanderung. Mit dem 136iger Bus fuhren wir bis zum Aalemannkanal, um dann an der rechten Seite des Kanals in Richtung Fähre zu beginnen.

Die Luft war herrlich, etwas windig und der Himmel zeigte uns ein sehr schönes Spiel von Wolken und Sonne. All zu warm war es nicht aber dieses wechselhafte Wetter hat es mir besonders angetan, denn ich kann mich, besonders seit ich mit meiner neuen Linse sooo gut schauen kann, nicht satt sehen an den vielen verschiedenen Formen der Wolken und Farben des Himmels.

An der Fähre
An der Fähre Spandau <-> Tegel Ort. Ticket für Wanderer: 60 Euro Cent

Aber erst einmal sahen wir die Fähre nach Tegel-Ort, … von hinten. Mist die hatten wir verpasst. Wir schauten uns ein wenig in der Gegend um und entdeckten, dass das Restaurant La Diva, das direkt an der Fähre liegt, sich bereit macht wieder zu eröffnen. Es wurde geputzt und aufgeräumt und in seinem kleinen Hafen hatten schon Partyboote angelegt, die in Zukunft wohl zu mieten sein werden. Was für eine schöne Idee.

Die Motivation

Als ich diese Tour mit meiner Lieblingsapp mapy.cz plante, hatte ich im Hinterkopf, dass ich gern Wunderlauch finden würde. Ich wusste, das sie an feuchten und schattigen Plätzen wachsen und vermutete sie im Tegler Wald in der Nähe von Wasserlöchern oder in moorigen Gebieten. Dieses nach Knoblauch duftende Kraut schmeckt besonders gut zu Quark oder Frischkäse.

Nach der kleinen Fährfahrt über die Havel gingen wir bei herrlichem Sonnenschein am Ufer entlang in Richtung Konradshöhe. Vorbei an herausgeputzten alten und neuen Villen mit wunderschönen Gärten. Überall sprießte es grün, und viele bunte Blumen waren seit meiner letzten Tour hier in der Gegend gepflanzt worden. Dabei war das noch gar nicht lange her das ich hier entlang bin, nicht mal ne Woche.

Havelblick
Havelblick – Konradshöhe

Das Wasser der Havel glitzerte im Sonnenlicht, die Sonne wärmte uns die Haut und die entspannte Plauderei entspannte mich Stück für Stück. Denn eigentlich war ich ziemlich aufgeregt, denn am nächsten Tag musste ich mich der zweiten Augen Operation stellen. Und auch wenn ich weiß, dass es bestimmt alles gut geht, bleibt ein ungewisser Beigeschmack, eine Verunsicherung zurück, die mich ein wenig aus dem Gleichgewicht bringt.

Gemütlich und ohne Eile setzten wir unseren Weg bis Konradshöhe fort. Bevor wir dann rechts in den Tegeler Forst abbogen, machten wir auf einer Bank eine ausgedehnte Pause mit Kaffee und Kuchen.

Die Beobachtung

Havelblick
Havelblick – Konradshöhe

Am Ufer beobachteten wir zwei befreundete Familien mit ihren Kindern, die den Nachmittag dort entspannt und fröhlich miteinander verbrachten. Besonders aufgefallen ist mir dabei ein kleiner Junge, der sich ich gesamte Zeit dort für sich allein beschäftigte. Er stocherte mit einem Stock am Ufer in der Erde herum, schaute sich Muscheln und anderes Kleingetier an. Hier in der Natur wirkte er sehr entspannt und zufrieden.

Da musste ich gleich an meine Kita denken, die Arbeitskollegen, die nun schon 3 Wochen auf mich verzichten müssen und seit dem für mich mitarbeiten. Und natürlich dachte ich auch an die Kinder, die, alle wie sie da sind, auch ein Teil meines Lebens sind und die ich auch sehr vermisse. Die vielen netten Gespräche mit den Eltern und Kollegen, … all dies ging mir durch den Kopf.

Die Suche nach dem Lauch

Jetzt bogen wir rechts in den Förster Weg/Wanderweg 7, um dann dann nach einer Weile, wieder rechts, in den Mühlenweg/Wanderweg 5 und 7 zu wechseln. Ich hatte bei mapy einen kleinen Tümpel im Tegler Forst entdeckt, dort vermutete ich den Wunderlauch, den ich schon gern finden wollte.

Tegeler Forst
Tegeler Forst – Höchster Baum Berlins 2012 – 42,5 m

Aber erst einmal entdeckten wir eine etwas unscheinbare Holztafel, die vor einer europäischen Lärche angebracht war. Wir standen also vor dem höchsten Baum Berlins, zumindest im Jahr 2012. Dieser Baum hat eine Länge von 42,5 m und einen Umfang von 2,90 m, er wurde 1795 von dem Forstmann von Burgsdorf dort gepflanzt.

Als wir weiterwanderten kamen wir dann zu dem erwähnten kleinen Tümpel in einer Senke, wir kämpften uns durchs Unterholz und schauten in den Abgrund … nichts. Nicht mal ein Tüpfelchen von grün war zu entdecken, alles wirkte düster und märchenhaft gruselig. Und ich war enttäuscht, kein Wunderlauch … und dabei wusste ich doch genau, dass das der einzige Tümpel auf dem Weg war, also die Chance den Lauch noch zu entdecken sehr gering wurde, … so dachte ich jedenfalls.

Wir folgten weiter dem Wanderweg 7, nahmen eine Abkürzung und stießen dann auf Wanderweg 5 und 2. Diese Humboldt-Spur brachte uns an einen verlassenen Ort. Ein Ausflugslokal das mitten in der Arbeit verlassen wurde. Auch Nebengebäude befanden sich in Renovierung, aber darüber werde ich ein anderes Mal berichten,… unter Lost Places.

Ufer des Tegeler Sees
Ufer des Tegeler Sees – Wunderlauchteppich

Ralph hatte es als erstes gesehen, da war es… das Wunderlauch. Ein riesiger Teppich voller grüner Pflanzen, die einem in der noch sehr spärlich erwachenden Natur direkt ins Auge schossen. Es duftete leicht nach Knoblauch. Ich strahlte, was für ein Glück.

Die Wiederentdeckung der Zeit

Weiter gings gemütlichen Schrittes Richtung Fähre und was soll ich euch sagen, es gab noch viele dieser grünen Inseln aus Wunderlauch am Flussufer und noch ein Lost Place. Der aufgestellte Bauzaun, der nicht gesichert war, war einfach umgekippt. Da konnte ich nicht widerstehen und musste schnell noch ein paar Fotos schießen.

Als wir weiter gingen, stand die Sonne schon ganz schön tief am Himmel. Wir fragten uns so zum Spaß wie spät es wohl sei,… und verschätzten uns mächtig. Schließlich war grad die Zeit umgestellt worden, das hatten wir nicht sofort bedacht, … es war inzwischen 18.40 Uhr.

Havelblick von Tegel Ort
Havelblick von Tegel Ort – Endspurt zur Fähre

Siedend heiß viel uns ein, dass die Fähre das letzte Mal gegen 19.00 Uhr ablegen sollte, … oh weia. Ich wollte die letzte nicht schon wieder verpassen. Also legten wir einen Zahn zu, Ralph voran und ich mit etwas Abstand hinterher,.. ich war halt nicht so schnell, der hat ja auch viel längere Beine…hahaha.

Der Weg zog sich, noch eine Biegung, die Fähre schien noch so weit entfernt, und sie legte am gegenüberliegenden Ufer schon wieder ab,… 18.50 Uhr.

Vor meinem geistigen Auge sah ich uns schon an der Bushaltestelle auf den Bus warten, und dann den weiten Weg nach Spandau per Bus zurücklegen. Wenig entzückend, diese Aussicht.

In dem Moment, als die Fähre nun an unserem Ufer anlegte, hatten auch wir die Strecke geschafft und somit die Fähre noch rechtzeitig erreicht. Die Erleichterung darüber war uns förmlich ins Gesicht geschrieben.

Kleiner Videoschnappschuss „Auf See“:


Kleine Bildergalerie – klick auf ein Foto und starte Großansicht und Slideshow

Wunderlauch Suche
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Wunderlauch Suche im Spandauer Forst
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11 Gedanken zu „Auf der Suche nach dem Wunderlauch im Tegeler Forst“

  1. Toller Wanderbericht wieder in einer sehr interessanten und weitgehend unbekannten Gegend. Auch deine Fotos wieder wie immer echt toll. Es macht Spass dir auf deinen Wanderungen zu folgen.
    LG
    Egon

  2. Tolle Idee mit den Videos – bringt mehr Leben in die Berichte. Mach weiter so – es ist toll deine Wanderungen mit zu erleben.
    Viele Grüße
    Egon

  3. Hallo Clara,
    nach einigen Tagen wandere ich hier bei dir mal wieder vorbei … und bin erstaunt, wie schnell sich dein Blog seit dem Start entwickelt hat.
    Eine gute Idee, auch die älteren Wanderberichte zu bloggen.Content ist ja King, wie man in unserer Bloggerszene sagt 😄.
    Und mit den sorgfältig Bildtexten wird sicher mal eine tolle Illustrierte Welt draus.
    Mach du nur weiter so.
    Liebe Grüße
    PM

    1. Vielen Dank lieber Peter, für deinen ausführlichen Kommentar und das Interesse an meinen Geschichten. Ich habe noch viele schöne Berichte aus vergangener Zeiten, zumindest in Kurzfassung. Aber ich habe vor, nach und nach, alle zu bearbeiten. Kurzfassungen werden zeitnah eingepflegt.
      Liebe Grüße Clara

  4. Super gemacht dein Bericht und deine Fotos sind sowiso immer ein Traum .
    Freue mich auf weitere Vortsetzungen.

    1. Dankeschön Egon,
      wenn ich so durch die Lande ziehe, und die Schönheit der Natur genieße, dann fällt es mir nicht schwer, hier und dort Motive zu entdecken, die ich dann auch fotografiere. Meist sind es viel zu viele Fotos die mir beim Schreiben des Berichts eine Grundlage bilden. Sie lassen mich die Wanderung noch einmal erleben.
      Liebe Grüße Clara

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