Die Friedhofsbahn und der Friedhof mit morbidem Charme

Von saftigen Wäldern, über eine stillgelegte Friedhofsbahnstrecke, am Teltowkanal entlang zur einem der schönsten Friedhöfe in der Umgebung.

Vom S-Bahnhof Wannsee ging es in den Düppeler Forst (E11),  anschließend an den alten Gleisen entlang Richtung Friedhof Stahnsdorf, 15 km unbändige Natur.

Ein saftiger Wald

Die kleinen Bäume im Wald waren schon ganz grün, alles sah so saftig aus und ich merkte wie sich die Ruhe des Waldes auf mich übertrug. Jedes Mal entdecke ich neue, schöne und aufregende kleine Abenteuer, mal einem Frosch, der den Weg kreuzt, oder Street Art und Lost Places, … oder, oder, oder?!

Die Friedhofsbahnstrecke

Brücke über die Eisenbahntrasse der Friedhofsbahn
Brücke über die Eisenbahntrasse der Friedhofsbahn

Dieses Mal wollte ich die stillgelegte Friedhofsbahn suchen. Auf der Schotterpiste war das Laufen ganz schön anstrengend und so entschloss ich mich zu großen Teilen direkt neben den Gleisen zu gehen.😁

Hin und wieder stieg ich hinab in das Tal der Bahnstrecke und machte Fotos zerfallener Eisenbahnbrücken und verlassener Strecken. Teilweise waren die Schienen nicht mehr vorhanden und die Bohlen durchgerottet. Ein unglaublich schöner Anblick von Vergänglichkeit und der Rückeroberung durch die Natur.

Geschichte der Bahnstrecke

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der zur Verfügung stehende Platz in der Berliner Stadt langsam eng. Die Friedhöfe wurden an den Rand der Stadt verlegt und die Friedhofsbahn diente den Besuchern zur Anreise.

Noch zur Zeit der Nationalsozialisten war ihr Ausbau 2-spurig geplant, doch am Ende des 2. Weltkrieges wurde die so wichtige Eisenbahnbrücke über den Teltowkanal gesprengt und somit die Verbindung bis heute unterbrochen.

Der Friedhof lag während der deutschen Teilung in den östlichen Bezirken, so dass die westliche Bevölkerung keinen Zugang mehr hatte. Seit 1963 wurden die Gleisanlagen abgebaut. Heute verfällt das Areal und ist somit ein toller Ort in dem die Vergangenheit noch sichtbar ist.

Falsch abgebogen

Teltowkanal
Teltowkanal mit Resten einer alten Brücke im Vordergrund

Am Teltowkanal angekommen, hab ich erst einmal, bei strahlendem Sonnenschein, eine ausgedehnte Pause gemacht. Die Sonne schien mir warm ins Gesicht und der mitgebrachte Latte Macchiato schmeckte einfach nur lecker. Beschwingt setzte ich meinen Weg fort.

Nach einer Weile schaute ich mal wieder auf meine Navi-App und entdeckte, oh schreck, ich war in die falsche Richtung gelaufen. So ein Mist, also wieder zurück zur Brücke. Es zog sich langsam zu, und natürlich fing es an zu regnen. Ich legte einen Zahn zu, um die Brücke zu erreichen, an der ich falsch abgebogen war.

Graffiti und Shietwedder

Graffiti
Graffiti am Teltowkanal

Als ich sie erreichte war ich schon ganz schön nass, und unter der zugigen Brücke war es auch nicht wirklich kuschelig. Ich lief wie ein Tiger hin und her. Wie schnell einem doch kalt wird, wenn man nicht in Bewegung ist.

Ich entdeckte bunte Graffitis, die in ihren leuchtenden Farben einen herrlichen Kontrast zur grün-braunen Umgebung bildeten, und ein paar Angler, die ausdauernd dem Regen stand hielten.

Als es aufklarte, kletterte ich hinauf und wurde gleich vom nächsten Schauer erwischt. Ich hängte meinen Rucksack an einen Baum und betrachte meine Umgebung. Die Aussicht war sogar bei diesem Schietwedder ein Vergnügen.

Nach einer Weile konnte ich den Weg dann doch gut fortsetzen, denn der Himmel brach auf und der Sonnenschein lockte mich. Es folgte ein wunderschöner Weg auf dem ich alte und neue Brücken bei optimaler Beleuchtung genießen konnte.

Morbide Schönheit

Stahnsdorfer Friedhof
Stahnsdorfer Friedhof Kunstwerke mit morbidem Charme

Der Wilmersdorfer Waldfriedhof und der Südwestkirchhof Stahnsdorf waren mein nächstes Ziel. Ich hab ja schon ne ganze Menge Friedhöfe gesehen aber das schlägt echt alles. Allein die moosbedeckten Wege auf denen man leichten Schrittes wandelt als auch das alles überwuchernde Efeu auf den verfallenen Grabsteinen fesselten meinen Blick an jeder Ecke aufs neue.

Eigentlich wollte ich die berühmten Gräber besuchen, aber ausgerechnet auf dem Friedhof versagte das Navi zeitweise. Immer wieder bog ich falsch ab, und so gab ich den Plan auf, denn auch so war dieser Friedhof ein echtes Highlight. Viele kleinere Wege waren überhaupt nicht mehr vorhanden und so stiefelte ich teilweise durch eine kleine Wildnis. Ich hielt ein wenig die Richtung und genoss den morbiden Charme dieser Anlage in vollen Zügen.

Die hölzerne Friedhofskapelle, die plötzlich vor mir auftauchte, wurde zwischen 1908 und 1911 nach dem Vorbild des Kirchenarchitekten Gustav Werner errichtet. Sie ist bis heute die größte Friedhofskapellen Berlin.

Neuerdings erfreut sie sich besonderer Beliebtheit, denn hier wurde die Netflix-Serie „Dark“ gedreht und viele Fans reisen nun an, um alles zu betrachten. Dabei rücken sie auch schon mal eine Bank vor die Kirche, um authentische Fotos zu machen.

Statue
Statue auf dem Stahnsdorfer Friedhof

Besonders angetan war ich auch von den vielen Kunstwerken, die sich auf diesem Friedhof befinden. Statuen, große Grabanlagen und kleine idyllische Plätze mit jeder Menge moosbedeckten Bänken und Steinen gab es zu entdecken. Diesen Ort werde ich sicherlich noch ein weiteres Mal besuchen.🥰

Hier ist der Track für euch. Viel Vergnügen beim Nachwandern.

Tour Wannsee – Stahnsdorf
Aktivität 15 km • 3:16 Std.
https://mapy.cz/s/rocopobobu

Mein besonderer Dank gilt meinem Wanderfreund Ralph für die Ausarbeitung dieser tolle Tour. 😘


Einige großformatige Fotos findest du in dieser Klick-Galerie:

Friedhofsbahn
210506_Friedhofsbahn_nach_Stahnsdof-001
Entlang der ehemaligen Friedhofsbahn von Wannsee zum Friedhof Stahnsdorf
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Hierzu könnt ihr auch noch mehr in der Extra Galerie Street Art finden.

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