Die Villa am Bogensee und das defekte Herz im Lobetal

Von Zugverwirrungen, Jakobswegen, Bunkern und Seen, einer zufälligen Begegnung mit einem Freund, einem Herz, das nicht mehr schlägt, einem privaten Schloss, eiszeitlichen Wäldern und der Nazivilla am Bogensee.

23,4 km von Bernau nach Klosterfelde.

Auf dem Hinweg nahmen Ralph und ich die Bahnverbindung  von Berlin nach Klosterfelde. Unsere S-Bahn kam verspätet in Karow an, und so sahen wir nur noch die Rücklichter unseres Anschlusszuges nach Klosterfelde. Danke NEB Heidekrautbahn, das macht ihr oft nur zu gern, nicht auf den Anschlusszug warten. Jetzt müssen wir eine Stunde warten bis der nächste Zug fährt?

Kurz entschlossen planten wir um. Wir stiegen in die S-Bahn weiter nach Bernau und begannen unsere Tour von dort und da wir nun in Bernau waren, schauten wir uns etwas Kunst und die Überreste alter Stadtmauern im historischen Stadtkern an. Auf dem Gebäude der Bäckerei Engel reckten 3 Storchenjunge ihre Köpfe in den Himmel.

Auf den nun folgenden Jakobsweg Via Imperii Sczecin PL – Berlin DE passierten wir Wiesen und Feldern und konnten den Ausblick auf  Schäfchenwolken genießen. Es war schon recht warm, so um die 25 Grad, und erstmal kein Schatten.

Wie der Zufall so spielt

Auf einmal hält ein Fahrrad neben uns an und, welche Überraschung, da steht der Uwe da. Ich konnte es kaum glauben. Nach einem kleinen Schwätzchen trennten wir uns, aber ein eigenartiges Gefühl blieb zurück. Und da glaubt man immer Zufälle gäbe es nicht, aber wir hatten die Tour ja in letzter Minute umgestellt, es kann also nur ein Zufall gewesen sein?!

Riesendinger und das kaputte Herz

Bei Lobetal
Bei Lobetal, Ausblick

Am Straßenrand entdeckten wir unglaublich große Diesteln, solche Riesendinger hatte ich noch nie gesehen. Nun bin ich ja nicht sehr groß gewachsen, aber die waren bestimmt 2 m hoch. 😲

Kurz vor Lobetal verließen wir den Jakobsweg , streiften den Melchesee und begaben uns auf einen Friedhof im Wald.

Auf einer Anhöhe entdeckten wir ein ungewöhnliches Kunstwerk, das schlagende Herz, das leider nicht mehr schlug. Auf einer Hinweistafel wurde uns erklärt, das das Herz zur Zeit defekt ist.

Dieses Herz soll an 600 Menschen erinnern, die im Lobetal zwischen 1945 und 1947 an Hunger und Krankheit starben:

Friedhof Lobetal
Friedhof Lobetal, das schlagende Herz

https://fb.watch/v/67iUBG_Df/ – Quelle: Hoffnungstaler Stiftung Lobetal

Wir marschierten auf verschlungenen Pfaden durch das wunderschöne Lobetal, kaum ein Mensch zu sehen. Der Einsatz von Mückenspray war angeraten.

Schon seit einer Weile hatte ich ein Wasserproblem. Auf dem Friedhof stand ausdrücklich, kein Trinkwasser an der Wasserstelle. Am Ortsausgang entdeckte ich eine Gärtnerei. Ich füllte die Flaschen auf, denn jetzt ging es eine ganze Weile durch Wald und Flur.

Gehst du in Brandenburg, nimm genug Wasser mit!!!

Korallenfund

Im Wald entdeckten wir den Bunker Koralle, der als Kletterbunker genutzt wurde. Was für ein riesiger Betonhaufen. Steil ragten die übrig gebliebenen Fragmente in den Himmel. Ein beindruckender Anblick. 😲

Bunker Koralle
Bunker Koralle, Betonfragmente ragen in den Himmel

Am Hellsee bei Lanke nahmen wir ein Fußbad und eine ausgedehnte Pause. Anschließend wollten wir uns das Schloss in Lanke ansehen, das leider nicht zu besichtigen war. Der Privatbesitz ist hermetisch abgeriegelt, kein freier Blick ist zu erhaschen. 😥

Weg mit Ausweg

Das nun folgende Straßenstück war nicht sehr erquicklich, direkt an der Bundesstraße entlang, und manchmal nicht einmal ein Weg. Hier solltet ihr einen anderen Weg einbauen, vielleicht hinter Lanke oberhalb des Obersees, und dann immer nach Norden. 🧐

Komischer Berg

Der Bunkerberg
Der Bunkerberg, unter unseren Füssen

Weiter gings in Richtung Bogensee, und um uns herum, nichts als Wald. Wir suchten nach einem weiteren Bunker, den wir einfach nicht entdecken konnten. Dann schauten wir uns die Mapy Karte noch einmal genauer an und entdeckten, dass wir mitten darauf standen. Na sowas. Das Bauwerk war üppig bewachsen, so das man die riesigen Ausmaße kaum noch erkennen konnte.

Nazivilla

Bogensee, Die Liebesvilla Goebbels

Der eiszeitlich bergige Wald der nun folgte, führte uns nun noch an einen ganz besonderen Ort, die Goebbelsvilla am Bodensee.

Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn die Villa und alle angrenzenden Gebäude  waren  nicht beschädigt, nicht ein Fenster kaputt, wir entdeckten Alarmanlagen und Sicherheitspersonal. Aber wir wurden nicht daran gehindert, alle Gebäude von außen zu betrachten oder zu fotografieren. 😉

Bogensee
Bogensee, Jugendhochschule FDJ

Die Riesen-Immobilie in Wandlitz steht zum Verkauf, doch bisher gibt es für diesen Besitz keine Interessenten. Hier traf Goebbels seine Geliebte, die Schauspielerin Ludmilla Babkobá. Bis zur Wende wurde auf diesem Gelände der Nachwuchs des FDJ ausgebildet.

Bittere Pille für Radfahrer

Als wir in Klosterfelde ankamen war der Zug bereits mit vielen Fahrrädern bestückt, sodass auf den folgenden Bahnhöfe keine Fahrräder mehr aufgenommen werden konnten. Die Radfahrer, die sich noch hineinquetschten wurden postwendend wieder herausgeholt. Besonders bitter für Familien mit Kindern, denen man ansehe konnte, das sie weitere Strecken nicht unbedingt noch schaffen werden.

Das Video zur Wanderung ist schon fertig:

Nun folgt noch der Track in der Map:

Download file: 2021-06-27 Wanderung Bogensee.gpx
Den Weg entlang der stark befahrenen Landstraße L31 hinter Lanke nicht nehmen! Besser westlich um das Städtchen herum.

Und der Track bei Komoot:
https://www.komoot.de/tour/403758098?ref=aso

Und die Fotos, hier bitte … full Service für Euch, wie immer … 😎

Lobetal, Koralle, Nazi Villa Bogensee

Viel Spaß beim Nachwandern und genügend Wasser mitnehmen. 🎈

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