Verstecktes Kleinod auf der Wiesenburg

Auf dem Jakobsweg kreuz und quer durch die Mitte Berlins

  • Start: U/ S-Bahnhof Gesundbrunnen
  • Ziel U-Bahnhof Osloer Straße
  • 15,3 km Stadtwanderung durch die Mitte Berlins.
  • Tiergartenring/Pankeweg/Jakobsweg VIA Imperii/Heiligenseerweg
  • Familiengeeignet

https://www.komoot.de/tour/769474558?ref=wtd

Inspiriert durch einen Artikel über den “Tag der Offenen Tür” in der Wiesenburg (Link weiter unten), bastelte ich eine Tour durch meine alte Heimat, den Wedding. Ralph und ich wechseln uns mit der Ausarbeitung von Wandertouren ab und dieses Mal war ich dran.

Unterwegs auf JAKOBSWEGEN bewunderten Ralph und ich auf dieser eindrucksvollen 15,3 km STADTwanderung TÜRME aus alten Zeiten, IndustrieDENKMÄLER der Superlative, RUHESTÄTTEN mit viel Geschichte, kleine und größere FLÜSSE, skurrile BAUTEN, besondere STREET ART und eine BURG mitten in der Stadt von deren EXISTENZ kaum jemand etwas bemerkt hat.

Dieses Mal habe ich für euch ein Google Album erstellt. Wenn ihr auf den folgenden Link klickt, seht ihr eine große Auswahl von Fotos dieser Wanderung. Die Fotos enthalten Standortinformationen und  drum herum habe ich eine informative Geschichte geschrieben. Kommentare erwünscht!

Link zum Google Album:

https://photos.app.goo.gl/YVqJk9YWA74opcxp8



Als Startpunkt wählten wir den Bahnhof Gesundbrunnen, zuerst ein kleiner Blick auf die Flaktürme, die hoch oben über den Gleisen thronen. Dann hinein in den Humboldthain mit seiner wunderschönen Gartenarchitektur und einer imposanten Statue.

Die Türme im Park

Die Aussicht vom Flakturm ermöglicht einen weiten Blick in den Westen. Erbaut während des zweiten Weltkriegs gehören sie zu einem Verteidigungsplan Hitlers. Er ordnete 1940 den Bau nach der Luftangriff der Amerikaner an. Insgesamt entstanden 6 Türme, die paarweise in 3 Berliner Parks errichtet wurden. Die meisten von ihnen wurden wieder abgebaut und die darunter liegenden Bunker verschlossen. Nur die Türme und der Bunker im Wedding haben Bestand und können bis heute besichtigt werden.
Nähere Infos über Führungen findet ihr unter
“Berliner Unterwelten”.

Übrigens, der Aufstieg über die Treppen hat es in sich. Bequemer ist es über die Wege.

Wiege der Elektroindustrie

Am Ende des Parks standen vor einem Industriedenkmal, dessen alte Gebäude auch heute noch zu großen Teilen genutzt wird. Die AEG kaufte das Gelände 1894 und erbaute ein riesiges Werk mit unterschiedlichen Fabriken. Dieser bedeutende Industriestandort jener Zeit gilt als Wiege der Elektroindustrie.

Neue Verbindung

Die Liesenbrücken sind heute ein einzigartiges Industriedenkmal mitten in Berlin. Im späten 19. Jahrhundert erbaut überspannt sie den Kreisverkehr zwischen Liesen-, Garten- und Scheringstraße. Für die Zukunft ist hier eine Fußgänger- und Radverbindung geplant.

Marmorengel

Wenn man den Domfriedhof der St.-Hedwigs-Gemeinde entdeckt, ist man überrascht. Vor der Kirche bietet sich ein trostloses Bild, ein spärlich bewachsenes ödes Feld, aber im hinteren Teil dann die Überraschung. Wunderschöne Marmor Engel rahmen eine alte Kapelle ein.

Das machte uns neugierig und erkundeten wir dieses Areal mit großer Spannung.

Es ist der älteste katholische Friedhof Berlins und wurde 1834 eingeweiht. Viele berühmte Persönlichkeiten wurden hier zur letzten Ruhe gebettet, doch nur wenige Gräber sind erhalten. Durch den Bau der Mauer wurde dieser Friedhof für lange Zeit selbst zum Tode geweiht.

Berliner Palmen

Es folgte die Südpanke, hier ein einbetonierter Fluss in einer Senke. Es ging vorbei an den beeindruckenden Gebäuden des Bundesnachrichtendienstes mit den umstrittenen Palmen im “Vorgarten”.

Zukunftsaussichten

Bevor wir den Berlin Spandauer Schifffahrtskanal erreichten besuchten wir den Invalidenfriedhof, der ebenfalls nur wenige Gräber aufwies. An der Spree dann das Futurium. Ein imposantes Gebäude und ein Touristenmagnet, wie wir während einer kurzen Rast beobachten konnten.

Verschlossenes

Der “Ben Wagin Park”, der leider nicht geöffnet war hat ebenfalls unser Interesse geweckt. So gibt es hierzu nur ein Foto über den Zaun hinweg.

Geschichte mit Axel Prahl

Nun gelangten wir an die Spree. Das Bertolt Brecht Denkmal war mal richtig klasse. Man konnte einen Code scannen und hörte dann die Stimme von Axel Prahl ein paar amüsante Geschichten über diesen Herren erzählen. Eine kleine Weile begleitete er uns auf unserem weiteren Weg.

Privatbunker

Einmal um die Ecke und die nächste Überraschung wartete schon auf uns. Der große privat genutzte Bunker eines Kunstsammlers steht wie eine Festung an der Straße, reges Treiben davor. Ein VIP-Bus spuckte gerade eine Menge wohl gekleideter Leute aus seinem Inneren, die leicht aufgeregt den gesamten Fußweg versperrten.

Sinkende Mauer

Museen, Kunst und Theater an jeder Ecke. Im Invalidenpark bewunderten wir die “Sinkende Mauer”. Dieses begehbare Wasserkunstwerk soll an die dort vor dem Krieg stehende Gnadenkirche und die Berliner Mauer erinnern. Es war sehr beeindruckend und man konnte auf die Mauer und am Rand entlang gehen.

Schwankende Seile und Mega Street Art

Am Park am Nordbahnhof angelangt fiel unser Blick sofort auf die Kletterer, die sich an den unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden auf diesem Kletterareal ausprobierten. Daneben, ebenfalls wieder in Betrieb, gut besuchte Volley Ball Felder.

Direkt vor diesen Sportanlagen steht ein Stück Mauer auf kunstvolle Weise mit mega Street Art verschönt.

Das versteckte Asylheim

An der Nord Panke entlang, gelangten wir zu unserem eigentlichen HighLight dieser Wanderung, die WIESENBURG.

Dieses Gelände wurde 1893 erbaut und von Anfang an als Asyl für Obdachlose geplant. Die Idee der Gründer war es den Gestrandeten eine einfache Unterkunft zu bieten, in der sie menschenwürdige behandelt wurden und ihre Anonymität gewahrt wurde. Eine Ausstellung im Inneren der Wiesenburg informiert ausführlich über das Gelände und seine Nutzung.

Im Inneren der Wiesenburg befindet sich der VHS Club, der regelmäßig alte VHS Kassetten abspielt. Die Räume und das Außengelände versprühen den Charme der 80iger Punkt-Szene. An jeder Ecke kann man etwas anderes Interessantes entdecken. Ein ganz besonderer Ort.

Uferlos

Zum Schluss noch ein Stück an der Panke durch den Wedding mit Einkehr bei einem guten Freund, dem Carlos (Uferlos). Hier gabs dann lecker Essen, ein kühles Bier und einen kleinen Plausch über Gott und die Welt.

Die alte Heimat

Ein kleiner Blick auf das ruhig gewordene Gelände der UFA Fabrik und der Weg vorbei an der Ecke, in der ich 30 Jahre wohnte, bildeten den Abschluss dieser äußerst abwechslungsreichen Wanderung.

Eine Anekdote der Wiesenburg

Vor 1918 soll Rosa Luxemburg eine Weile Unterschlupf in der Burg gefunden haben. Damals war dieser Ort ein Frauenasyl und die Burg ein Ort, an dem die Staatsgewalt keinen Einfluss hatte. Die örtliche Polizei versuchte sie am Haupteingang zu schnappen doch sie entwischte durch einen Seiteneingang.

Link zur Wiesenburg:

Tag der Offenen Tür: Die Wiesenburg Berlin

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