Gedenkstätten Oranienburg, vom KZ Sachsenhausen zur SS Brotfabrik

10,6 km History Hike mit bedrückenden Geschichtsfakten der Inhaftierten des Konzentrationslagers Sachsenhausen, die hier ihr Leben ließen. Überwältigt von den Dimensionen des riesigen Außenlagers, der Mahnmale und Museen begaben wir uns anschließend auf die Suche nach der SS Brotfabrik, in der wir auch Zeichen von DDR Vergangenheit vorfanden. 

Zu dieser Wanderungen auf den Spuren der Zeit hat Ralph Bauer ein tolles Video mit seiner neuen Insta 360 gemacht und stellt es hier freundlicherweise zur Verfügung.

Im Anschluss folgt das Google Fotos Album, das mit 360 Grad Aufnahmen und Videosequenzen angereichert wurde. Problemlos kommentieren, ohne Anmeldung, im Google Fotos Album!

Und ein tolles Video von Ralph Bauer, herzlichen Dank!

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Team Ralph und Clara starteten am Bahnhof Sachsenhausen und wanderten an den Massengräbern vorbei zum Hintereingang des Konzentrationslagers. Ein eisernes Tor schützte die Anlage. Wir klingelten und die Tür wurde geöffnet. Weites brach liegendes Gelände erwartete uns, eingefasst durch eine Mauer und Wachtürme. Einen der Türme schauten wir uns etwas genauer an.

„Arbeit macht Frei.“ 

Danach ging es über die Ebene. Wir entdeckten Denkmäler und Museen, die diese dunkle Zeit dokumentierten. Die persönlichen Schicksale der Inhaftierten und die perfiden Methoden der Nazis waren genauestens dargestellt und versetzte uns in eine bedrückende Stimmung. Das Bild der Öfen, in denen so viele Menschen vernichtet worden waren, ging uns nicht mehr aus dem Kopf.

Vorbei an Schotterflächen, die die Standorte der Baracken symbolisierten, begaben wir uns in Richtung Haupteingang, durch den wir das Gelände verließen. Trotz des Sonnenscheins und der angenehmen Temperaturen lief ein Frösteln durch unsere Körper, als wir durch das Tor schritten, in das der Schriftzug „Arbeit macht frei“ eingearbeitet war.

Ausbildung der Kommandanten

Das KZ Sachsenhausen wurde 1936 errichtet und hatte eine besondere Rolle, da es gleichzeitig als Ausbildungsort für KZ Kommandanten und das Bewachungspersonal diente.

Hier setzte das Personal die Idee einer Genickschussanlage um und auch der Umgang mit den Verbrennungsöfen, in denen die Verstorbenen verbrannt wurden, wurde hier verfeinert. Der Anblick der Verbrennungsöfen hat sich tief in unsere Seele eingebrannt und wird unvergesslich bleiben.

200 000 Häftlinge wurden an diesen Ort deportiert, von denen nur 140 000 registriert wurden. Gleich nach der Ankunft im Lager wurden die Kranken und Schwachen aussortiert und ermordet. Ihre persönlichen Gegenstände wurden konfisziert, sortiert, verarbeitet und verkauft.

Heute ist das gesamte Areal eine Gedenkstätte mit vielen Museen und Mahnmalen, in denen man sich ausführlich über die Geschichte und das Leiden der Menschen informieren kann.

Schweigend verließen wir das Gelände und hingen noch ein wenig den Gedanken nach, die durch die Bilder in unseren Köpfen angeregt wurden. Niemand verlässt diesen Ort so wie er ihn betreten hat.

Auf der Suche nach der Brotfabrik

Flotten Schrittes überquerten den Oder Havel Kanal und warfen einen Blick auf die Lehnitzer Schleuse, die im hellen Sonnenlicht erstrahlte. An der linken Seite folgten wir ein Stück dem Lauf des Kanals und fanden dann die alte SS Brotfabrik, die zwischen der Vegetation hervorlugte. 

Soldatenbrot

Der Reichsführer der SS beabsichtigte zum Ende des Jahres 1939 eine Brotfabrik aus dem Boden zu stampfen. Dafür mussten die Insassen des KZ Sachsenhausen jeden Tag ausrücken und mit einfachsten Werkzeugen den Wald zu roden, der zu dieser Zeit noch überall die Landschaft beherrschte.  Nach getaner Arbeit ging es zurück in das Lager. Viele starben an den unmenschlichen Bedingungen oder am Hunger, denn zu essen gab es nur das notwendigste, um die Arbeitskraft zu erhalten.

Das Leid der Hungernden

In Rekordzeit wurde die Fabrik erbaut und in Betrieb genommen. 100 000 Brote, die hier täglich hergestellt wurden, müssen einen unglaublichen Duft in der Region verbreitet haben, man kann sich das Leid der Hungernden kaum vorstellen, denn die Brote waren ausschließlich für die Soldaten bestimmt.

Die Häftlinge, die in der Brotfabrik arbeiteten, bekamen saubere Kleidung und durften täglich duschen. Die Nähe zu den Backöfen war verführerisch, doch der Diebstahl wurde schwer bestraft.

Brot für Berlin

Nach Kriegsende fiel die Brotfabrik in russische Hände und die Öfen wurden demontiert. Erst 1946 wurde der Backbetrieb wieder aufgenommen. Die DDR Regierung errichtete eine Backstraße in den alten Gebäuden und versorgte von hier aus ganz Ost-Berlin mit frischem Brot.

Dornröschenschlaf

Nach der Wende dann das Aus für die Fabrik. Seit dem liegt dieses notdürftig abgesperrte Areal in einem Dornröschenschlaf und wird nur hin und wieder von Lost Placern besucht, die dieses Gebiet auf der Suche nach interessanten Fotomotiven durchstreifen.

Und hier gibt es auch eine Menge zu entdecken, riesige Hallen, die alten Backöfen, ein intakt aussehender Getreidefahrstuhl, Street-Art und eine Belüftungsanlage.

Durch die Wildnis

Wir verließen die Brotfabrik durch einen Hintereingang und mussten uns ein Stück durch die Wildnis schlagen, um einen der Wanderwege zu erreichen, klatschend schlugen uns die jungen Äste um die Ohren. Wer lieber nicht quer durch den Wald will, sollte den anderen Ausgang wählen.

Unsere weitere Wanderung führte uns am Gasthof Niegisch vorbei, das schon von weitem rot leuchtete. An der Fassade des Gasthauses entdeckten wir Bemalung im Stil der „Werner, oder was?“ Bücher, die in den 80ern sehr beliebt waren.

Bauernmarkt und Heidekrautbahn

Es folgte ein verwaister Bauernmarkt mit leer gefegtem Kletterparadies. Bis kurz nach der Wende tobte hier das Leben. Mit der Heidekrautbahn traten wir dann unseren Heimweg an. Es ist zu beachten, dass die letzte Zugverbindung nach Berlin bereits um 15.55 Uhr losfährt.

Zugegeben, eine von Fröhlichkeit strotzende Wanderung war das nicht, sondern eher ein Wechselbad der Gefühle. Die Geschichte, in die wir hier tauchen konnten und die uns durch die vielen persönlichen Gegenstände der Insassen nahe gebracht wurde, wird uns auf unseren weiteren Wegen begleiten.

 

 

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