Von Neuruppin nach Lindow durch die Streusandbüchse Brandenburgs

18,6 km WILDNIS-Wanderung von NEURUPPIN aus durch die „STREUSANDBÜCHSE“ Brandenburgs, mit KAMIKAZE-Busfahrt im Ersatzverkehr, OST-Schrippen in einer alten Bäckerei, einem ZELTHUT im Tempelgarten, einem glänzenden PARZIVAL am See, von einer WARTENDEN DAME, schweren Beinen, KUNST in einer KASERNE und einem Ort am SEE, an dem man seine SEELE BAUMELN lassen kann.

Die Streusandbüchse Brandenburgs
Bäckerei Gröbler, Neuruppin
Die Streusandbüchse Brandenburgs
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Umwege

Heute führte uns unsere Wanderung nach Neuruppin, wo wir nur sehr umständlich hingelangten, denn an den Wochenenden ist die direkte Strecke wegen Gleisarbeiten geschlossen und man muss ein gewaltiges Stück mit dem Ersatzverkehr zurücklegen.

Kamikaze Fahrt

Wir hatten an diesem Tag leider ein wenig Pech und erwischten einen extrem unentspannten Busfahrer, der sich durch einen aggressiven Fahrstil auszeichnete. Die Fahrt wollte einfach nicht enden und bei jedem Abbremsen schlug mein Magen Alarm. Mit Ach und Krach erreichten wir das Ziel und stützten förmlich aus dem Bus, froh dieser Kamikaze Fahrt entronnen zu sein.

Die Ost-Schrippe

Eine alte Bäckerei im Familienbesitz

Ralph hatte im Vorfeld die alt eingesessene Bäcker Gröpler herausgesucht. Die derbe Freundlichkeit der Bäckerin, die mit jedem Kunden einen kleinen Schnack abhielt, amüsierte uns eine ganze Weile. Übrigens, hier gibts noch die ursprüngliche Ost-Schrippe.

Tempelgarten

Wir machten uns auf in Richtung Ruppiner See und durchquerten dabei den Tempelgarten der mit seiner Gartenkunst das ästhetische Auge verwöhnte. Auf einem runden Platz, der mit Skulpturen umsäumt war, hatte man ein Zeltdach mit einer Bühne darunter errichtet. Dieses Zeltdach wirkte wie ein riesiger Hut und erzeugte wunderschöne Perspektiven in diesem hübschen Park.

Die 700-jährige Linde

Kurz vor dem See entdeckten wir dann noch die Klosterkirche Sankt Trinitatis, bewunderten die gut erhaltene alte Stadtmauer und die Wichmann-Linde gleich nebenan.

Wichmann von Arnstein, der von 1185 bis 1270 lebte, war ein Mystiker und Mitbegründer des Dominikanerklosters Neuruppin. Im 13. Jahrhundert nahm er, wahrscheinlich durch den Einfluss der großen Armut in dieser Zeit, Abschied vom Karrieredenken und verschrieb sich der Spiritualität.

Parzival am See

Parzival am Ruppiner See

Am See angekommen, strahlte die stählerne Statue des Parzival uns schon von weitem entgegen. Direkt über seinem Kopf lugte die Sonne gebremst durch die Wolkendecke und tauchte die gesamte Szene in ein unwirkliches Licht.

Die Seebrücke

Nun folgte die weit in den Ruppiner See ragende hölzerne Seebrücke. Wir gingen auf dem Steg entlang und genossen den Ausblick auf den 2 km langen See und die geschichtsträchtige alte Stadt, die herrlich im Sonnenlicht erstrahlte.

Die wartende Dame

Die Dame an der Bushaltestelle Nietwerder

Auf schnurgeraden Wegen näherten wir uns dem Dörfchen Nietwerder, passierten die Nietwerder Dorfkirche und eine auf einer Bank sitzende Figur einer wartenden Dame mit einer Katze auf dem Schoß. Das war schon etwas skurril, denn sonst war kein Mensch in diesem Dorf zu sehen.

Schwere Beine

Auf weiteren geraden Wegen ging es dann durch Wolkow hindurch, ein wenig an der Straße entlang und dann in den Wald, direkt in Richtung Tholmannsee. Die oft sandigen Wege erschwerten das Vorankommen und machten die Beine schwer.

Brandenburgs Landschaften sind eben nicht spektakulär, sie zeichnen sich durch eine Sumpf- und Sandlandschaft aus, die nur selten ein paar Erhebungen oder Schluchten aufzuweisen hat. Diese „Streusandbüchse“ erschwerte die Landwirtschaft in diesen Gebieten, sodass, die Flächen überall in Brandenburg brach lagen.

Dies änderte sich erst mit dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm, der eine Idee für die Verwendung der Gelände einführte. Er erschuf ein riesiges Heer von 80 000 Männern aus der ausgetrockneten Landschaft und ließ viele dieser Areale zur militärischen Nutzung erbauen.

Kunst in den Kasernengebäuden

Die Nationalsozialisten bauten das Gelände dann als Flugplatz der Luftwaffe um, das gesamte Ruppiner Land erdröhnte viele Jahre unter dem ohrenbetäubenden Krach der Starts und Landungen von Kampfflugzeugen.

„Renitente“ Staatsbürger

Nachdem die Nationalsozialisten den 2. Weltkrieg verloren hatten, richteten sich erst die Sowjets und später die Nationale Volksarmee der DDR auf dem Gelände ein und nutzen dieses ausgiebig. Die SED Führung brachte „renitente“ Staatsbürger oft in Fluglärm verseuchten Gegenden in der Nähe von Flughäfen unter.

Wir sahen Kasernenunterkünfte und Kantinenbauten, Hallen und Werkstätten im Verfall der Zeit. Ein paar wenige Teilstücke der großen sowjetischen Wandgemälde, die oft in militärischem Gemeinschaftsräumen zu finden sind, hatten ihre besten Zeiten auch schon hinter sich. Und so werden sie verschwinden, so wie es der Lauf der Dinge ist.

Entspannung

Der Tholmannsee am militärischen Gelände

Am Tholmannsee angekommen verweilten wir eine ganze Weile an diesem bezaubernden Ort, tauchten unsere brennenden und schwitzenden Füße in das kühle Nass und ließen es uns gut gehen, ein toller Ort um sich zu entspannen.

Das Experiment

Im Waldgebiet dieser Gegend konnten wir immer wieder eingezäunte Gelände entdecken, in denen die Natur sich frei entwickeln soll. Diese Areale gehören zu einem der größten europäischen Experimente. Es soll herausgefunden werden, wie lange die Natur zur Generierung eines Mischwaldes benötigt. Dazu wurden die Kiefern abgesägt und jegliches Unterholz im Gebiet belassen.

Die moderate Busfahrt 

Danach ging es weiter nach Lindow von wo wir den Rückweg mit dem Bus antraten, dieses Mal zu unserer großen Freude, mit einem Busfahrer, der eine moderatere Fahrtechnik anwandte.

 

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