Werder, 5 Seen und eine abenteuerliche Brückenüberquerung

  • Start und Ziel S Bahnhof Werder
  • 20 km Asphalt- und Matschweg entlang von 5 Seen mit abenteuerlicher Brückenüberquerung über die Havel
  • Anteile des Jakobswegs Potsdam – Vehlen, Fontaneweg F6, Europäischer Fernwanderweg E 10

https://www.komoot.de/tour/671619051?ref=wtd

20 km Wanderung mit steilen oder fehlenden TREPPEN, einem AUSFLUGSLOKAL auf dem Berg, einem Zentrum der Ziegelindustrie, einem ungewöhnlichen FKK-GELÄNDE, einer BESCHISSENEN INSEL, einem SCHINKELBAU und einem LENNÉ-PARK und einer sehr AUFREGENDE ÜBERQUERUNG der Havel. ACH, und wo der Name HAVEL herkommt erfahrt ihr auch. 😉

Die kleene Wandergruppe startete am S Bahnhof Werder, dieses Mal 5 Personen, und begaben uns schnurstracks zum Großen Plessower See. Aber zuerst mussten wir eine Treppe mit unendlich vielen Stufen hinaufsteigen. Oben angekommen wurden wir dann mit einer herrlichen Aussicht und dem Lost Place Friedrichshöhe belohnt …

Für die Ungeduldigen folgt jetzt das Fotomaterial, im Anschluss geht die Geschichte dann weiter. Sie ist mit jeder Menge Hintergrundinfos gepiekt und hatte noch  so einige Überraschungen zu bieten.

Werder, 5 Seen
Knapp 20 km 5 Seen Wanderung rund um Werder mit abenteuerlicher Brückenüberquerung am Ende.
Bahnhof Werder
Around Werder
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Das Ausflugslokal auf dem Berg

Eröffnet wurde das Ausflugslokal auf dem Kesselberg Ende des 19. Jahrhunderts. Sein Name stammt es dem damaligen Betreiber Friedrich Schmalfeldt. Das Ausflugslokal war gut besucht und so wurde 1912 ein großer Tanzsaal angebaut.

Auch zu DDR-Zeiten wurde hier weiter gefeiert, getanzt und getrunken. Wer nach dem Trinken keine Lust hatte den Berg wieder hinunterzulaufen, konnte auf einer 71 m hohen Rutsche hinabgleiten. Was für eine tolle Idee!!!

Nach der Wende gab es viele Versuche, dieses Kleinod wieder in Betrieb zu nehmen, doch alle scheiterten. Am Schluss wurde dieses Haus einer Investmentfirma verkauft, die mit Hilfe eines Schneeballsystems jede Menge Geld ihrer Anleger veruntreuten. Die Behörden hatten versagt und ihre Kontrollfunktionen nicht wahrgenommen. Inzwischen beschäftigt sich der Bundestag mit diesem Vorgang. Der Bundesfinanzminister musste sich sogar öffentlich rechtfertigen.

DA hat die Havel ihren Namen her

Am nördlichen Ufer des Großen Plessower Sees, bei Kemnitz sind in einem Waldstück, der Vogelsangheide, eine der größten Begräbnisstätten der Semnomen gefunden. Über 1000 Fundstellen aus dem ersten bis vierten Jahrhundert wurden hier ausgegraben, darunter Waffen, römische Metallgefäße, Gold und Silberschmuck.

Um 700 n. C. siedelten an diesem Platz die Wenden, die sich mit der restlichen Bevölkerung vermischten. Diese Germanen nannten die Havel Habula und daraus entstand dann der Name heutige Havel.

Treppenlos

Das Erklimmen einer nicht vorhandenen Treppe

Wir wanderten am See entlang, bis wir zu einer Treppe kamen, die keine mehr war. Der Aufstieg war steil und mit beiden Händen mussten wir uns an den Wurzeln und spärlichen Überresten der Treppe den Hügel hochziehen.

Glina

Wir erreichten Glindow, das 1317 erstmals erwähnt wurde und heute ein Ortsteil von Werder ist. Im Mittelalter war dieser Ort ein Zentrum der Ziegelindustrie, welches die typischen gelben Ziegel produzierte. In Spitzenzeiten wurden hier 600.000 Ziegel von 500 Arbeitern täglich hergestellt.

Der Name des Ortes entstammt dem Ortsnamen Glina, was man mit Ton oder Lehm übersetzten kann. Ab 1906 waren die Tonvorkommen erschöpft und die folgende Weltwirtschaftskrise gab ihnen den Rest. Seit 1990 wird die Ziegelei als Museum betrieben. Sie ist noch in Funktion und stellt Baumaterialien zur Rekonstruktion anderer Denkmäler her.

Schinkelschüler

Dorfkirche Glindow

Diese Kirche wurde von dem Schinkelschüler und Bauinspektor Christian Heinrich Ziller nach Plänen von August Stüler in den Jahren 1852 bis 53 errichtet. Die stattliche Kirche im neugotischen Stil wurde aus Joachimsthaler Backstein hergestellt und bezieht die Umfassungsmauer aus Feldsteinen mit ein. Der beachtliche Turm erreicht eine Größe von 40 m.

FKK und Mini-Häuschen

Am Rüsterhorn, einem FKK Gelände bemerkten wir kleine Häuschen von der Größe eines Klohäuschens aus vergangenen Zeiten. Viele dieser kleinen Hütten wurden schon abgebaut. Die übrig gebliebenen Holzreste waren wild im Wald gestapelt.

Beschissene Insel

Wir ließen unseren Blick schweifen und entdeckten eine merkwürdige Insel vom Ufer aus. Alle Bäume auf ihr waren wie weiß gepudert und eine laute Schar Kormorane flog um sie herum.

Kerstin glänzte mit ihrem Wissen und erklärte uns staunend, das die Kormorane auf den Bäumen nisten und ihr Kot so ätzend ist. Die gesamte Vegetation auf der Insel stirbt ab. Wenn keine Bäume mehr stehen ziehen sie weiter und suchen sich einen neuen Standort. Die Insel ist durch den Kot gut gedüngt und mit der Zeit wird sie sich wieder erholen.

Schinkel und Lenné

Wir erreichten leichten Fußes das weit hin im Sonnenlicht leuchtende Petzower Schloss, dessen Park wir ausgiebig betrachteten.

Der wohlhabendste Mann in Petzow war Friedrich August Kaehne und er erbaute sich dieses Schloss in einem Stilmix von maurischem Kastell und englischem Tudor nach den Plänen von Karl Friedrich Schinkel. Es wurde 1994 der Öffentlichkeit übergeben  und ist heute ein kulturelles Zentrum.

Schloss Petzow

Im Lenné Park des Schlosses, das direkt am Haussee liegt, befinden sich noch weitere Gebäude. Das Waschhaus ist heute das Heimatkundemuseum, die alte Schmiede ein Restaurant und die Fischerhütte in privater Nutzung.

Unser weiterer Weg führte uns nun ein ganzes Stück an der Straße entlang, aber die Sonne stand schon sehr tief und der Sonnenuntergang, der uns nun beschert wurde versöhnten uns außerordentlich.

Manchmal kamen wir etwas näher an die Havel heran, die zur Zeit viel Wasser mit sich führt. Die dadurch entstandenen Feuchtgebiete direkt am Wegesrand spiegelten den Sonnenuntergang vielfältig und ließen uns so manches AHHH und OHHH entfleuchen.

Abenteuerliche Brückenüberquerung

Nun hatten wir es fast geschafft, die Baumgartenbrücke über die Havel kam langsam in Sicht. Aber was entdeckten wir dort, eine riesige Baustelle riegelte die gesamte Brücke ab. Es verschlug uns die Sprache. Nach fast 20 km hatten wir auf einen Umweg ja nun gar eine Lust.

Durchquerung der Baustelle

Auf dem Weg durch die Baustelle, begegneten uns auch ein paar Leute, die uns versicherten, das wir die Brücke überqueren können. Erleichtert wanderten wir weiter und erreichten den Brückenkopf zur blauen Stunde.

Wir sahen nur einen Weg, um die Brücke zu überqueren, aber dazu mussten wir einige Meter auf einer Gitterkonstruktion zum durchgucken über die Havel wandern. Am Ende dann eine unglaubliche Enttäuschung, die Tür verschlossen, wir mussten zurück. Keiner sagte mehr was. Das hatte uns gerade noch gefehlt.

Ein Umweg würde bedeuten, das wir noch 10 km weiter wandern müssten, und darauf hatte heute keiner mehr Bock. Als wir wieder am Ufer ankamen standen dort glücklicherweise zwei Jungen mit Fahrrädern, die uns den Ersatzweg zeigten. Wir hätten sie küssen können, so erleichtert waren wir.

Am anderen Ufer angekommen gaben wir dann noch einmal richtig Gas und fielen zum Schluss in ein Restaurant in Bahnhofsnähe ein, wo wir uns erstmal aufwärmten und ordentlich futterten.

 

 

 

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