Potsdams Schlösser und der wilde Park bei Geltow

  • Start: Bahnhof Potsdam Charlottenburg
  • Ziel: Bahnhof Caputh
  • 17,3 km Park- und Bergwanderung vorbei an Potsdams Schlössern und durch das wilde Parkgelände bei Geltow auf dem Weg nach Caputh
  • 66-Seen-Wanderweg/Europäischer Fernwanderweg E10/Wildpark Route/Wanderweg zum Bayrischen Haus/Fontane Weg F6
  • https://www.komoot.de/tour/822132025?ref=wtd

17 km PARK- und BERGwanderung mit einer brummenden MOSCHEE, einem Schloss OHNE SORGE, umgeben von einem Meer der KUNST und KULTUR und als EXTREMer Gegensatz die WILDEN PARKanlagen um Geltow herum, die mit ihrem EISZEITlichen Charakter so einige Überraschungen für uns bereithielt.

Es folgen die Fotos und eine ausführliche Geschichte mit vielen Infos zu den Kunstwerken.

Potsdams Schlösser und der wilde Park
Blick in die Neustädter Havelbucht
Potsdams Schlösser und der wilde Wald
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An einem Sonntag im Juni starteten Ralph und ich zu einer Wanderung vom Bahnhof Potsdam Charlottenhof aus. Der Wetterbericht versprach jede Menge Sonnenschein und 36 Grad. Eine hohe Luftfeuchtigkeit begleitete uns den ganzen Tag und auch ein Grollen hörten wir manchmal in der Ferne.

Die brummende Moschee

Wir überquerten den Schillerplatz und genossen die Aussicht an der Neustädter Havelbucht. Das aktive und beeindruckende Dampf Maschinenhaus an dieser Bucht, das die Gärten auch heute noch mit Wasser versorgt, zeigt uns seine ungewöhnliche Fassade. Der gestreifte und mit Ornamenten verzierte Gebäudekomplex ragt zwischen der leuchtend grünen Hecke hervor.

Dieses im Volksmund “Moschee” genannte Pumpenhaus im maurischen Stil ist das einzige seiner Art.  Im Oktober 1842 begann sie ihren Betrieb und schoss eine Wasserfontäne von 38 Metern vor Schloss Sanssouci  in die Lüfte. Diese stärkste Maschine Preußens war eine Antwort auf die technische Überlegenheit der Engländer.

Wir legten das Handy ganz flach auf die Scheiben und konnten einen Blick in das Innere werfen. Kunstvoll verarbeitete Säulen, aufwändige Böden und Maschinengestänge waren zu erspähen.

Ein Blick ins Innere des Maschinenhauses

Am Luisenplatz mit seinem Brandenburger Tor bewunderten wir bei sengender Hitze die Wasserspiele und folgten der “Allee nach Sanssouci” bis wir das imposante Tor “Am Grünen Gitter”, den Eingang zum Schlosspark, entdeckten.

Kunstvolle Mosaiken

Wir passierten Schul- und Pfarrhaus, beide waren zum Teil eingerüstet, warfen einen Blick auf die königliche Gruft in der Friedenskirche, bewunderten den imposanten Altarraum, die aufwendige Deckenbemalung und die herrlich gestalteten Bodenbeläge.

Die Friedenskirche steht im Marlygarten am Grünen Gitter und wurde im frühkirchlichen Rundbogenstil erbaut, ähnlich der Heilandskirche von Sarcow. Auch dieses Projekt war den Einflüssen des Königs stark ausgesetzt, weshalb Bauplanerstellung besonders schwierig war. Volle zwei Jahre dauerte die Planung der Gebäude, die mit außergewöhnlichen Mosaiken versehen sind.

Der gnädige Jesus

Jesus im Hof der Friedenskirche

Die 3,50 Meter hohe und eine halbe Tonne schwere Jesus Statue, die im Innenhof der Friedenskirche auf einem Brunnen thront wirft seinen gnädigen Blick auf jeden, der vor ihm steht. Eine Inschrift besagt: “Reinige dich von Sünden und nicht nur dein Antlitz”.

Die Statue war sehr beliebt und wurde im 19. Jahrhundert vielfach in kleinen Repliken hergestellt. Sie wird mit den Mormonen in Verbindung gebracht, die ebenfalls Christen sind und das Abbild dieser Figur bis heute in offiziellen Publikationen benutzen.

Kritisches Thema

Im Schlosspark erreichten wir nun den das “Erste Rondell”, welches bis ins 20. Jahrhundert auch “Mohrenrondell” genannt wurde. 2020 erhielt dieses Rondell, das mit sechs Statuen ausgestattet ist, seinen ursprünglichen Namen zurück.

Friedrich der Große selbst plante die Gestaltung dieser Büsten eines römischen Kaisers, eines Philosophen und vier afrikanischer Menschen in antiken Gewändern. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg setzt sich kritisch mit diesem Thema auseinander und untersucht unter anderem die koloniale Zusammenhänge.

Von hier hat man einen sehr weiten Blick und sieht ganz am Ende das Gold von Schloss Sanssouci in der Sonne leuchten. Aber bevor wir dort hin gelangten, waren noch ein paar weitere spektakuläre Entdeckungen zu machen.

Jakobsmuscheln und Perlmutt

Das Innere der Neptungrotte

Die Neptungrotte, deren Wände aus Jakobsmuscheln, Perlmutt, Marmor herrlich in der Sonne schimmerten, wurde im 18. Jahrhundert von Johann Peter Benkert erschaffen und symbolisiert die Verknüpfung von Architektur und Natur. Sie wurde 2018 ausschließlich mit privaten Mitteln wiederhergestellt auch Günter Jauch war einer der großzügigen Spender.

Ohne Sorge

Ab 1745 wurden die Bauwerke das Schloss Sanssouci, die Bildergalerie, die Neuen Kammern und das Neue Palais im Stil des Friderizianischen Rokoko erbaut. Ab 1825 folgten dann das Schloss Charlottenhof, die Römischen Bäder, die Friedenskirche und das Orangerie Schloss im Stil des Klassizismus. Das ganze Areal mit den dazugehörigen Parkanlagen gehört seit 1999 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Wüst und Leer

Das Schloss liegt auf einem Berg, der zur Zeit  noch wüst und leer war. Es wurden sechs Terrassen im Halbkreis angelegt, um die größtmögliche Sonneneinstrahlung zu erreichen. Jede einzelnen dieser Terrassen besitzt bis heute vertikale integrierte Gewächshäuser aus Glas, in denen seltene Pflanzen geschützt aufwachsen können. Am unteren Ende stehend bekommt man einen Eindruck über die gewaltigen Dimensionen dieser Anlage, die nur vom König genutzt werden durften.

König der Künste

In den Sommermonaten lebte der preußische König in seinem Lustschloss, um sich mit seinen Neigungen für Kunst und Kultur zu beschäftigen. Rechts vom Schloss befindet sich die Bildergalerie und links die alte Bockwindmühle, die den ländlichen Charakter der Landschaft bis heute unterstreicht. Ländlich kann man diesen Park und seine Gebäude heute nicht mehr nennen, denn ein Schwall von Touristen ergießt sich täglich in diesen Park, ein Stimmengewirr aller Sprachen der Welt.

Das muffige Schloss

Friedrich der II plante mit Hilfe seiner Architekten alle Anlagen, nichts wurde ohne seine Zustimmung errichtet. Dadurch kam es immer wieder zu Unstimmigkeiten mit den Architekten, die oft nur seine eigenwilligen Ideen umzusetzen hatten.

Der König musiziert, philosophierte und komponierte in diesem Schloss, er lebte diszipliniert und bescheiden. Seine Bescheidenheit wurde im Alter zum Geiz, sodass er notwendige Reparaturen nicht in Angriff nahm. So rächte sich die fehlende Unterkellerung des Schlosses bald, denn die Böden und Wände zogen das Wasser an, es roch muffig und der Fußboden war immer kalt.

Die Mär um die Kartoffel

Das Kartoffeldenkmal, eine Mär

Eine weit verbreitete Legende, die sich immer noch hartnäckig in den Köpfen vieler Menschen verfestigt hat, besagt, das der König die Kartoffel eingeführt hat. Doch neue Erkenntnisse beweisen, dass dies nicht der Fall war. In vielen Fernsehberichten über Schloss und König wird aber bis heute dieses falsche Wissen verbreitet. Auf seiner Grabplatte gleich rechts neben dem Schloss liegen immer ein paar Kartoffeln, die dieses Andenken nähren.

Geschichtlich richtig ist, das die Erdäpfel seit 1647 in Bayern angebaut wurden, allerdings hauptsächlich als Zierpflanze. Der König setzte sich sehr für den Anbau ein, doch seine Erlasse hatten nur wenig Erfolg.

Um einen großflächigen Anbau zu ermöglichen hätte er die Agar Ordnung ändern müssen. Diese private Bewirtschaftung wurde aber aber erst im 19. Jahrhundert in Preußen eingeführt und auch erst dann begann der Siegeszug der Kartoffel wirklich.

Ästhetisch Verbunden

Zum Ensemble der römischen Bäder gehören drei Gebäude, die durch Arkaden und weinbelaubte Pergolen ästhetisch miteinander verbunden sind. Hier bauten Friedrich Schinkel und Ludwig Persius, große Architekten ihrer Zeit, nacheinander ein italienisches Landhaus, einen griechischen Tempel und eine römische Therme. Durch das Sonderinvestitionsprogram für preußische Schlösser und Gärten kann das Gelände behutsam restauriert werden, als Baubeginn ist der Herbst 2022 angesetzt.

In der Remise an der Mühle ergatterten wir einen schattigen Platz, tranken ein kühles Blondes und genossen die Aussicht an diesem zauberhaften Ort.

Störendes Geklapper

Die Windmühle am Schloss Sanssouci gehört zu den bekanntesten Mühlen Deutschlands. Eine Legende besagt, das der König sich durch das Geklapper gestört fühlte und die Mühle abreißen wollte. Doch der Müller wehrte sich und rief das Gericht an, sodass der König von seinem Vorhaben Abstand nehmen musste.

Goldene Teegesellschaft

lebensgroße Figuren am chinesischen Haus

Das Chinesische Haus mit seinen goldglänzenden Figuren und Ornamenten verzückte unseren Blick als nächstes. Es wurde in der  Bauzeit von 9 Jahren (1755 – 1764) errichtet, da der Siebenjährige Krieg Preußen in eine schwierige finanzielle und wirtschaftliche Lage brachte. Die lebensgroßen Statuen stehen einzeln und in Gruppen zusammen und verkörpern die in dieser Zeit übliche Vorstellung von einer überaus heiteren chinesischen Gesellschaft, die sich gern beim Tee trinken amüsiert.

Schon einmal haben wir diesen Ort besucht, damals hatte ich versehentlich den Alarm am Chinesischen Haus ausgelöst… es folgt der Link zur Wanderung:

Potsdam, Schlösser, Wald, Berge und Lost Places

 

Schloss Charlottenhof

Wir wanderten auf dem 66-Seen-Wanderweg durch den Park, statteten dem Schloss Charlottenhof einen kleinen Besuch ab und begaben uns dann in den wilden Wald hinter dem Bahnhof Sanssouci.

Hier erwartete uns eine neue Herausforderung. Eiszeitliche Aktivitäten haben die Landschaft geformt, es ging ständig bergauf und bergab, bei über 30 Grad nicht immer spaßig, aber um so schöner wenn man des dann geschafft hat. Wir überwanden Bahnschienen und besuchten das Bayrische Haus auf dem Schäfereiberg, das leider geschlossen war.

Nichts mit einem kühlen Getränk. Es ging weiter schnaufend durch die hügelige Landschaft bis wir nach Geltow kamen. Jetzt war es nicht mehr weit zum Bahnhof Caputh. Wir gönnen uns ein köstliches italienisches Mahl im Restaurant Via Partenope in Geltow und quälten uns anschließend mit übervollem Magen bis zum Bahnhof Caputh.

Die Wanderkontraste, die diese Wanderung in sich trägt, waren besonders sehenswert. Auf der einen Seite die geordneten Gärten von Sanssouci auf der anderen Seite dieser wilde Wald, in dem wir auf unebenem Gelände auf Berg- und Talpfaden unterwegs waren. 

 

 

 

 

 

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